SPB 7 - Arbeit und sozialer Schutz

I. Die praktische Bedeutung des Arbeits- und Sozialrechts

Der Schwerpunktbereich „Arbeit und sozialer Schutz“ zeichnet sich durch seine besonders hohe praktische Relevanz aus. Gut ein Drittel der Einwohner Deutschlands sind als Arbeitnehmer abhängig beschäftigt, über 90% in zumindest einem Zweig der Sozialversicherung versichert. Die Bundesrepublik Deutschland gibt jedes Jahr über 500 Mrd. € für soziale Leistungen aus und allein bei den Arbeitsgerichten fallen mehr als 600.000 Verfahren jährlich an. Dementsprechend hoch ist der Bedarf an qualifizierter Beratung und Prozessvertretung. Neben den klassischen juristischen Berufen in der Justiz (Richter am Arbeits- oder Sozialgericht), der Anwaltschaft (Fachanwalt für Arbeitsrecht und/oder für Sozialrecht) und der Verwaltung (Krankenkassen, Rentenversicherungsträger, Berufsgenossenschaften, Bundesagentur für Arbeit) öffnen sich für den arbeits- und sozialrechtlich interessierten Juristen weite Berufsfelder in der Wirtschaft (Rechts- und Personalabteilungen der Unternehmen) und bei zahlreichen Verbänden (insbesondere den Gewerkschaften und den Verbänden der Arbeitgeber).

II. Gegenstände von Studium und Prüfung

Die bereits im Pflichtfachstoff erarbeiteten Grundzüge des Arbeitsrechts werden gemäß § 42 Abs. 1 StudPrO im Rahmen einer Vertiefungsveranstaltung zum Individualarbeitsrecht (2 Semesterwochenstunden [SWS]) sowie einer Vorlesung zum europäischen Arbeitsrecht (2 SWS) erweitert und um Kenntnisse im Betriebsverfassungsrecht (2 SWS) sowie im Koalitions-, Tarifvertrags- und Arbeitskampfrecht (2 SWS) ergänzt. Bei dem nicht zum Pflichtfachstoff gehörenden Sozialrecht liegt der Schwerpunkt auf dem Sozialversicherungsrecht unter Einschluss des Rechts der Arbeitsförderung (4 SWS). Daneben werden Grundkenntnisse im Sozialhilferecht sowie ein Überblick über die sozialrechtlichen Nebengebiete (2 SWS) und ein Einblick in das europäische Sozialrecht vermittelt (2 SWS). Die verbleibenden 4 SWS können – je nach persönlicher Präferenz – im arbeitsgerichtlichen Verfahrensrecht, im Sozialverwaltungs- und Sozialgerichtsverfahrensrecht, im Gesellschaftsrecht, in der Rechnungslegung oder einem der Grundlagenfächer im Sinne von § 20 Abs. 1 Nr. 4 der Studien- und Prüfungsordnung absolviert werden (§ 42 Abs. 2 StudPrO). Verschiedene (fakultative) Zusatzveranstaltungen, z.B. zum Kündigungs- oder zum AGB-Recht, runden zusammen mit Übungskursen (Examenstraining Arbeitsrecht, Falltraining Sozialrecht) das Lehrangebot ab.

III. Die universitäre Schwerpunktbereichsprüfung

Die universitäre Schwerpunktbereichsprüfung setzt sich aus einer Klausur, einer häuslichen Arbeit und einer mündlichen Prüfung zusammen. Den Schwerpunkt der fünfstündigen Aufsichtsarbeit bildet in der Regel ein arbeitsrechtlicher Fall, der durch eine sozialrechtliche Fallabwandlung oder sozialrechtliche Zusatzfragen ergänzt wird. Die vierwöchige Hausarbeit wird regelmäßig als Themenhausarbeit ausgegeben. Die abschließende mündliche Prüfung besteht aus einem Vortrag, dessen Thema dem Kandidaten dreißig Minuten vor Prüfungsbeginn mitgeteilt wird und dessen Dauer höchstens zehn Minuten beträgt, sowie aus einem Prüfungsgespräch, das sich dem Vortrag anschließt und dessen Dauer fünfzehn Minuten pro Kandidat betragen soll. Gegenstand des Prüfungsgesprächs ist der Inhalt der unter Ziffer II. genannten Lehrveranstaltungen. Alle Leistungen werden von jeweils zwei Prüfern unabhängig bewertet. Das Ergebnis der universitären Schwerpunktbereichsprüfung fließt zu 30% in das Gesamtergebnis der ersten Prüfung ein, dabei werden die häusliche Arbeit mit 12% und die Aufsichtsarbeit sowie die mündliche Prüfung mit je 9% bewertet. Die übrigen 70% entstammen nach näherer Maßgabe des JAG NRW dem staatlichen Prüfungsteil (sechs Klausuren und eine mündliche Pflichtfachprüfung).

IV. Besonderheiten des Schwerpunktbereichs

Der Schwerpunktbereich „Arbeit und sozialer Schutz“ kennzeichnet sich dadurch, dass er als einziger zwei Fachsäulen, nämlich sowohl dem Privatrecht als auch dem öffentlichen Recht, zugeordnet ist. Während die Dogmatik im Arbeitsrecht weit fortgeschritten ist und von den Studierenden dementsprechend auch in Detailfragen vertiefte Kenntnisse erwartet werden, beschränkt sich die Lehre des Sozialrechts im Wesentlichen auf die Vermittlung grundlegender Zusammenhänge, die auch über tagespolitische Eingriffe des Gesetzgebers hinaus Bestand haben. Besondere Aufmerksamkeit wird den Schnittpunkten der beiden Rechtsgebiete, etwa im Bereich der Arbeitslosenversicherung, zuteil.

V. Die Lehrenden

Die Lehrveranstaltungen des Schwerpunktbereichs werden im Wesentlichen von drei Hochschullehrern der Universität Bielefeld betreut. Frau Prof. Dr. Ulrike Davy trägt die Hauptlast der sozialrechtlichen Vorlesungen; Frau Prof. Dr. Sudabeh Kamanabrou und Herr Prof. Dr. Oliver Ricken teilen sich die arbeitsrechtlichen Veranstaltungen. Die Vorlesungen, die der Wahl der Studierenden unterliegen (§ 42 Abs. 2 StudPrO), werden von denjenigen Hochschullehrern, die in den entsprechenden anderen Schwerpunktbereichen unterrichten, sowie von Lehrbeauftragten (Frau Richterin am Bundesarbeitsgericht Dr. Anja Schlewing, Herr Rechtsanwalt Dr. Heinrich Gussen) getragen.

VI. Ansprechpartner, -innen

Für weitere Fragen zum Schwerpunktbereich Arbeit und sozialer Schutz“ wenden Sie sich bitte an:

Frau Prof. Dr. Ulrike Davy, T 7-117, Telefon: 106-4400

Frau Prof. Dr. Sudabeh Kamanabrou, S 7-144, Telefon 106-6947

Herrn Prof. Dr. Oliver Ricken, S 8-146, Telefon 106-6971

© 2017 Fakultät für Rechtswissenschaft » geändert 22.03.2011 von Denis Hedermann

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