Hintergrund

In jedem Rechtssystem kann es zu Fehlern kommen. Auch das deutsche Justizsystem mit seinen durch das Strafprozessrecht vorgegebenen Entscheidungsroutinen ist vor Fehlentscheidungen nicht gefeit. Einige spektakuläre Justizirrtümer, die in der jüngeren Vergangenheit aufgedeckt wurden, legen hiervon beredtes Zeugnis ab. Die Prävalenz von Fehlurteilen wurde jedoch bislang nur unzureichend erforscht; insofern liegen lediglich mehr oder weniger gut begründete Schätzungen vor. Soweit in verschiedenen Einzeldisziplinen wie der Kriminologie oder der Sozialpsychologie Erkenntnisse zur Genese von Fehlurteilen sowie (seltener) zu potentiellen Korrektur- und Präventionsmechanismen erarbeitet wurden, stehen diese eher unverbunden nebeneinander und bedürfen der systematischen Aufarbeitung. Vor diesem Hintergrund besteht ein erstes Ziel der beantragten Arbeitsgemeinschaft darin, den aktuellen Stand der Fehlurteilsforschung zusammenzutragen und im Diskurs zu ordnen. Dabei soll die Arbeitsgemeinschaft ein Forum für die Zusammenführung der internationalen, interdisziplinären und interprofessionalen Dimensionen des Generalthemas bieten und damit Ansatzpunkt und Impulsgeber für die weitere Fehlurteilsforschung sein. Die Diskussion soll daher mit Referentinnen und Referenten aus dem In- und Ausland, aus Justiz (Richterschaft, Staatsanwaltschaft und Anwaltschaft), Psychologie und Rechtssoziologie breit angelegt werden. Bewusst sollen auch einzelne (englischsprachige) Beiträge ausländischer Referenten/innen eingebunden werden, um internationale Forschungsergebnisse für die deutsche Diskussion fruchtbar zu machen. Schließlich sollen die Ergebnisse auch in die Rechtspraxis und Rechtspolitik zurückgespiegelt werden, um auf diese Weise Ansätze zur Fehlervermeidung und zur Implementierung eines Qualitätsmanagements in der Justiz zu vermitteln.

Summary: Every legal system is prone to mistakes. Therefore, the German justice system, too, is not immune to miscarriages of justice. Some judicial errors which have been revealed in the recent past bear witness to the legitimacy of this assumption. Nevertheless, the prevalence of misjudgments has been poorly explored so far. Instead, we must be content with more or less reasoned estimates. Sciences like Criminology and Social Psychology have at least accumulated some knowledge about the genesis of judicial errors and (more seldom) about prospective corrective and preventive mechanisms, but the findings stand beside each other in an unconnected way and still need to be elaborated systematically. Against this background, the first objective of the proposed working group will be to find out the current state of research regarding miscarriages of justice and to categorize the knowledge gained so far. The working group should provide a forum which allows the integration of international, interdisciplinary and interprofessional perspectives to the general topic, thereby creating impulses for further research activities regarding judicial errors. To achieve these aims, the discussion should be as broad as possible, involving speakers and discussants from different jurisdictions and with a juridical, psychological and sociological background. We have chosen very consciously to invite some speakers from abroad (who will give their presentations in English language) to make international research findings productive for the German discussion. Finally, the results of the working group should be mirrored back to legal practice and politics in order to point out measures with the potential to prevent miscarriages of justice.

© 2017 Fakultät für Rechtswissenschaft » geändert 27.04.2017 von Julian Adams

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